Rock am See

Fettes Lob an die Logistik! Als wir (Christoph und ich) am Samstag um halb drei in Konstanz einfuhren, erwartete uns nicht der unvermeidliche Stau eines großen Open-Air, sondern nur leere Straßen und ein noch leererer Parkplatz. Für den mußten wir allerdings noch fünf Euro liegen lassen (dafür war er dann auch nicht bewacht). In fünf Minuten waren wir dann zu Fuß beim gerade einfahrenden Shuttle-Bus, der uns in weiteren 10 min zum Bodenseestadion (das ganz schön optimistisch groß gebaut wurde für einen Landesliga-Club…) brachte. Also gerade noch rechtzeitig um die letzten 2 Stücke von „The Sounds“ zu hören, einer Band die sich vor allem durch ihre sexy Frontfrau auszeichnet…
Zuvor hatten schon „The Graduate“ gespielt, die auf unsere Anwesenheit verzichten mußten. Tatsächlich waren wir um drei Uhr noch ziemlich früh und das Stadion war noch nicht sooo voll.
Weiter gings dann eigentlich mit „Razorlight“, doch da der Sänger nicht rechtzeitig da sein konnte wurde eine Stunde zuvor die Punk-/Ska-Band „Mess“ verpflichtet. O-Ton des Frontmanns:

„Es ist unglaublich hier zu sein. Vor einer Stunde saßen wir noch am See und haben Bier getrunken.“


Wie die Band wirklich klingt konnten wir nicht herausfinden, da der Mann am Mischpult den ganzen Auftritt über versucht hat die Band richtig einzustellen. Hat sich aber vom Sound abgesehen sehr ordentlich angehört.

Gegen halb fünf gings dann endlich richtig los. Die Punkrock-Urgesteine (erste Tour 1985) „NoFX“ standen auf der Bühne und „Fat Mike“ gab auch gleich zum Besten:

„It’s half past four and I’m so fuckin’ drunk!“

Und, oh man, das waren fast exakt die gleichen Worte die ich zuletzt von einem US-Amerikaner gehört habe, im Juni in einem Irish Pub in Frankfurt. Als es gerade so richtig abging, verabschiedete sich die gesamte Musik-Anlage des Festivals. Zwangspause. Und was machen echte Künstler? Sie unterhalten die Leute trotzdem. Ein Schlagzeug kann ja zum Glück auch noch ohne Strom ein bißchen laut sein. Und warum sollen nicht mal die Leute auf der Bühne Pogo tanzen? Weiter gabs dann noch ein Akkordeon und ein Trompetensolo und Handstand sowie Rad-Schlagen Einlagen (siehe Bild). Nach einer viertel Stunde gabs dann auf der Bühne wieder Strom und die Band hat weitergespielt, was aber uns vor der Bühne recht wenig brachte. Nach fünf weiteren Minuten fing dann ein gellendes Pfeifkonzert an und plötzlich kam dann die ganze Anlage wieder dazu. Und weiter gings. Ein paar Klassiker noch zum Schluß: „Don’t call we white“ und „Kill all the white man“.
Fazit: Fette Musik, fette Band und großes Lob, daß sie beim Stromausfall NICHT einfach von der Bühne gegangen sind! Sehr sympatisch auch, daß sogar bei so einer erfahrenen Band mal ein Liedende in die Hose geht! Leider haben NoFX noch keine Lightshow bekommen.

Um sechs dann die „Sportfreunde Stiller“. Die Band mit den durchschnittlich jüngsten Fans auf dem Festival. Rocken aber trotzdem sehr. Da die Jungs ja nur zu dritt sind und bei einigen Liedern Samples eingespielt werden, waren sie bei diesen Songs dann auch leider sehr strikt an die Vorgabe gebunden. Das heißt: nicht spontan. Dagegen wurden sie dann immer gut wenn keine Samples gebraucht wurden. So wurde der Refrain des Fußball-Sommerhits „54,…“ in guter alter BaarRock-Tradition während eines anderen Liedes kurz eingeworfen oder während des Anfangs von „Ich Roque“ „Marmor, Stein und Eisen“ bricht improvisiert. Auch sehr spaßig, daß der Frontmann einen auf die Bühne geworfenen Bikini sofort angezogen hat. Oder der Drummer der sich bei einer auf die Bühne geworfenen Plastikflasche für das Pfand bedankt hat. Das Konzert endete mit

„Ihr wart ihr und wir die Sportfreunde Stiller!“

Wo er recht hat, hat er recht!
Fazit: Die Jungs haben durch Improvisation und ihre guten Lieder echt Spaß gemacht. Leider ist auch hier kurz die Monitor-Anlage auf der Bühne ausgefallen.


Zwischendurch hat es dann fünf Minuten lang ein ganz klein wenig vom Himmel gespritzt. Gerade so viel daß ein schöner Regenboden zu sehen war. Das Wetter war uns hold!

Ein Band die ich vorher gar nicht kannte war „Billy Talent“. Anscheinend DIE Aufsteiger aus Kanada. Ich mach’s kurz: Hat mir nicht sonderlich gefallen. Vielleicht langs auch nur an der Abmischung: Die Basedrum war viel zu laut, hat alles andere bis auf den kreischenden Gesang des Sängers total zugedeckt. Die Gitarre war kaum zu hören. Der Auftritt war aalglatt. Die einen würden sagen perfekt, mir war’s zu wenig live. Und eine wirkliche Show war’s auch nicht. Dafür hat wenigstens die Anlage durchgehalten.

Auf die letzte Band hat vor allem Christoph hingefiebert. Die Väter des Industrials „Nine inch Nails“. Von denen kannte ich eigentlich auch sehr wenig und Industrial ist jetzt nicht auch nicht gerade meine Musikrichtung. Ich war gespannt.
Der Frontman kam zuerst auf die Bühne:

„Hi. I’m Trent, Nine Inch Nails. A Quick Disclamer:“

Da die Stromversorgung nicht ausreichen war, konnten NIN nicht ihre eigene Lightshow nutzen, sondern mußten auf die Standard-Lichter zurückgreifen. Dementsprechend angepißt war Trent dann auch.
Doch dann gings los. Wow! Fette Gitarren, fette Show! Bei ungefähr jedem zweiten Lied hat Trent ein Mikro samt Ständer von der Bühne geworfen oder mit der Gitarre umgehauen. Irgendwann ist mir dann aufgefallen daß ca 4-5 fertig gerichtete Mikroständer mit Mikro vor der Bühne standen, die dann immer wieder schnell auf die Bühne gestellt wurden ;-). Aus der Lichtanlage hat der Mensch am Lichtpult das letzte rausgeholt. Die Bühne war meist sehr stark vernebelt. Den bekannten Song „Hurt“ hat der Frontman dann auch nur ca 4 Takte lang gespielt, dann hat er fett geschumpfen (Fuck, fucking Fuck…), das Keyboard umgeworfen, sich eine Gitarre geschnappt und einen anderen Song rausgehauen, der mehr power hatte. Zwischendurch gabs dann auch mal so hate-sätze wie:

“I’d feel much better if I’d killed the fuckin’ promoter!”

Der eine Gitarrist ist ständig wie ein kleiner Dämon auf der Bühne herumgesprungen. Wahrscheinlich hat er gar nicht immer gespielt (was auch nicht nötig ist wenn drei Gitarren genau das gleiche spielen, was ab und zu der Fall war). Zum Schluß haben die Gitarristen dann ordentlichst ihre Gitarren zerstört, mit dem Mikroständer draufgehauen und in die Boxen gestopft. Und dann war die Band ohne ein weiteres Wort weg.
Fazit: Live ist die Band sehr viel Gitarrenlastiger und rockinger als auf der Platte. Sie schaffen es eine gewisse Stimmung wärend des Auftritts aufzubauen. Super Show! Hat mir sehr gut gefallen!

Ja das war Rock am See 2007. Einige Pannen bei den Organisatoren, aber mit sehr geilen Bands! Das letzte Konzert war um 23:10 fertig und um zwölf sind wir dann tatsächlich auch schon aus Konstanz herausgefahren. Kein Stau in Konstanz, erst die von den grün-weißen als Unfall getarnte Filzaktion an der Autobahnauffahrt brachte uns dann noch 15 min für 200m ein. Danke an unseren Freund und Helfer!!!

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2 Responses to Rock am See

  1. maik says:

    naja, scheint so, als hättet ihr das beste draus gemacht …

    http://fudder.de/artikel/2007/09/03/rock-am-see-im-strom-chaos/

  2. christoph says:

    ich wollt mal noch sagen, ich fands wirklich total geil. es hat sich immer mehr gesteigert und trotz der tatsache, dass NIN nur ne knappe stunde gespielt haben, war es ein super konzert. billy talent, die ich sonst eher als nebenmusik von der xbox kenne mal live zu sehen, war nicht schlecht, hätte es aber doof gefunden, wenn die headliner gewesen wären.

    ich möchte mich noch bei all den kindern bedanken, die vor NIN gegangen sind. zum einen hättet ihr damit eh nichts anfangen können und zum anderen war unsere abreise dadurch viel einfacher 😉

    des mach mer wieder, matthias. danke für deine gute doku 🙂

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