Akko, Sheirut und der Geheimdienst

IMG_0896_smallSamstag morgen wollte ich um acht aufstehen…. aber ich habe den Wecker einfach aus gemacht und weiter geschlafen. Samstags ist es so unglaublich still in Haifa 🙂 Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass ich den Bus in die Innenstadt (die einzige Linie die samstagmorgens fĂ€hrt) verpasst habe. Also habe ich mir ein Taxi ins 25 km entfernte Akko gegönnt. Der eigentliche Plan hatte vorgesehen den Bus in die Stadt zu nehmen und dort ein Sheirut-Taxi nach Akko zu bekommen. Sheirut-Taxis sind Kleinbusse, die ohne Fahrplan viele Busrouten zusĂ€tzlich zum Linienbus versorgen. Dabei gibt es nur das Problem, dass es keine FahrplĂ€ne gibt. Das heißt, das Taxi fĂ€hrt normalerweise dann los, wenn sich ein paar Leute eingefunden haben. Sheiruts sind von Freitagabend bis Samstagabend neben Taxis beinahe die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel in Israel. Man kann sich durch kurzes Handzeichen eine Bushaltestelle schaffen und supergĂŒnstig sind sie auch noch.

IMG_0905_smallNun gut, diese Möglichkeit hatte ich mir durch zu langes schlafen verbaut. Jedoch bekam ich fĂŒr den 10-fachen Preis eines Sheiruts im normalen Taxi noch Verschwörungstheorien aufgetischt. Der Taxifahrer hat mir erzĂ€hlt, dass 99% aller arabisch-stĂ€mmiger Menschen in Israel Spione fĂŒr Terrororganisationen sind. Nun, so hatte ich das noch gar nicht gesehen… anscheinend sind das dann aber auch mit Abstand die schlechtesten Geheimdienste der Welt, wenn man bedenkt, dass bei ca. 6 Millionen Menschen in Israel 30 % arabische Wurzeln haben… es war aber auch das erste Mal, dass ich hier so offen jemand gegen die arabische Bevölkerung sprechen gehört habe.

IMG_0878_smallIMG_0881_smallGenug der Vorrede, jetzt zum eigentlichen Anlass des Trips. Akko ist eine alte (14. Jhd. v. Chr.) Stadt, die immer wieder durch KreuzzĂŒgler und Araber erobert wurde. Heute kann man noch viele Bauten des Templer-Orderns sehen. So z.B. die Zitadelle mit ihrem riesigen teils unterirdischen Hallen und unterirdische GĂ€nge, die Teile der Stadt miteinander verbinden. Jedoch sind nicht nur christliche Bauten zu bewundern, die Al-Jazzar-Moschee mitten in der Stadt ist beeindruckend, auch wenn ich sie nur von außen betrachten konnte. Die Altstadt Akkos besteht aus engen GĂ€sschen, die einem Labyrinth gleichen – anders kann ich es nicht ausdrĂŒcken, da ich regelmĂ€ĂŸig die Orientierung verloren habe. Und in diesen engen GĂ€sschen gibt es dann auch noch einen arabischen Markt. Am Wochenende wahrscheinlich eher fĂŒr Touristen, doch der Shisha-Stand hatte es mir angetan 🙂

IMG_0808_small1Am Strand bzw. der Standpromenade habe ich dann den Tag ausklingen lassen und bin anschließend zum Linienbus gelaufen. Immerhin hatte ich mir vorher auf der Website des Busunternehmens die Verbindungen rausgesucht. Dort angekommen haben mich aber zwei Einheimische darauf aufmerksam gemacht, dass der erste Bus in 2 Stunden fĂ€hrt und ich ein Sheirut nehmen soll. Und so bin ich dann doch noch zum meinem Sheirut-Trip gekommen.IMG_0838_smallKurz an die Straße gestanden, einmal gewunken und ich war fĂŒr wenig Geld zurĂŒck in Haifa. Die Sheiruts haben eine echt witzige Stahlrohr-Konstruktion in den Kleinbussen eingebaut, um die BeifahrertĂŒre vom Fahrersitz aus öffnen zu können. Und immer wenn am Straßenrand jemand lĂ€uft, der auch nur im Entferntesten so aussehen könnte, als ob er mitfahren wollte, wird gehupt, also so etwa alle 200 m.

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3 Responses to Akko, Sheirut und der Geheimdienst

  1. christoph says:

    wie klasse. Diese Sheiruts gibts in Ägypten auch – zumindest wie ich sie mir nach deinen Beschreibungen vorstelle. Wir waren dort aber leider immer in organisierten Bussen unterwegs und im Hotel hat man es vorgezogen uns mit einem bestimmten Taxi eines Bekannten zu fahren, der einen dann zu einem Bekannten gefahren hat, der wiederum ein GeschÀft fĂƒÂŒr Touristen hatte 🙂 Aber die Einheimischen haben diese “Bus-Taxis” alle verwendet. Hört sich spannend an.

  2. andri says:

    jede geschichte klingt irgendwie nach einem aufregenden und spannendem urlaubstag! aber du bist doch schon auch zum arbeiten in israel 😉 oder?
    die bilder sehen nach wunderschön mildem frĂƒÂŒhlingsklima aus *neid* – das allgÀu hat beschlossen, sich nochmal unter einer schneedecke zu verstecken und den aufkommenden frĂƒÂŒhling mit -15 grad zu erschrecken…

  3. gassi says:

    naja, wie du vielleicht festgestellt hast, handeln die Berichte immer nur von Freitag und Samstag…. dazwischen wird gearbeitet… ist aber glaube ich nicht so interessant fĂƒÂŒr euch 😉
    Und der FrĂƒÂŒhling scheint hier schon fast wieder rum zu sein. Morgen sind knapp 30°C vorhergesagt…. also 45 °C mehr als bei euch 8)

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